Tunnel für die Tram im Englischen Garten?

Tunnel für die Tram im Englischen Garten
Foto: Michael Lucan "Plan B für die Tram im Park" - Petra Lejeune und Hermann Grub präsentieren Ihre Idee mit einer großen Grafik

Tunnel für die Tram im Englischen Garten?,  Die Stiftung Ein Englischer Garten des Architekten-Ehepaars Petra Lejeune und Hermann Grub hat einen neuen Vorschlag für die Tram durch den Englischen Garten ins Gespräch gebracht. Sie soll den Englischen Garten in einem Tunnel unterfahren.

Bald soll sie kommen: Die Tram durch den Englischen Garten. Der Münchner Stadtrat hat im Januar 2018 grünes Licht für die Planung einer Tram-Nordtangente mit einem Teilstück durch den Englischen Garten gegeben, die MVG prüft derzeit verschiedene Varianten.

Die Stiftung Ein Englischer Garten des Architekten-Ehepaars Petra Lejeune und Hermann Grub hat dazu heute einen neuen Vorschlag ins Gespräch gebracht, den die beiden Plan B getauft haben: ein Tunnel für die Tram unter dem Englischen Garten

Tunnel für die Tram im Englischen Garten
Foto: Michael Lucan
“Plan B für die Tram im Park” – Petra Lejeune und Hermann Grub präsentieren Ihre Idee mit
einer großen Grafik

Die jetzigen Planungen seien eine Katastrophe für den Englischen Garten findet Petra Lejeune: “Man kann den Ausbau der Tram in Schwabing vielleicht mit der Notwendigkeit, den öffentlichen Nahverkehr auzubauen, begründen. Aber für den Englischen Garten gilt das nicht. Der Englische Garten ist ein Gartendenkmal von Weltrang und würde für immer beschädigt. Das ist nicht mehr gut zu machen. Denn wenn die Schienen erstmal drin liegen, dann wird sich der Verkehr dort Bahn brechen”.

Sehen werde man dies aber erst, wenn die Trambahn-Schienen erst einmal installiert – und aus Sicherheitsgründen mit Gittern, Absperrung und Ampelanlagen ausgerüstet würden.

Diesen Anfängen müsse man wehren. Ein Nein allein zur Tram durch den Englischen Garten habe aber heute kaum noch eine Chance – sogar Ministerpräsident Söder stehe dem Projekt wohlwollend gegenüber -, aber der Park müsse hier Vorrang haben.

Das Projekt Tram durch den Englischen Garten wird seit mehr als 100 Jahren kontrovers diskutiert: die Stadt München bringt das Thema in gewissen Abständen erneut ans Licht, der Freistaat lehnt ab, lässt sich im Jahr 1934 die Genehmigung der Busverbindung abtrotzen – die Stadt verspricht im Gegenzug, das Thema 50 Jahre ruhen zu lassen.

Zuletzt diskutierte man vor knapp 20 Jahren darüber, eine starke Bügerinitiative sammelte in kurzer Zeit 20.000 Stimmen dagegen, das Projekt war wieder einmal gescheitert. Sogar das Bayerische Verwaltungsgericht urteilte im März 2006, die Planung der Tram durch den Einglischen Garten sei “nicht genehmigungsfähig”.

Nun, da immerhin Ministerpräsident Söder der Idee gegenüber aufgeschlossen ist, scheint eine Umsetzung möglich, ja wahrscheinlich zu werden.

Hermann Grub: “Wir haben versucht, eine Lösung zu finden, die machbar und umsetzbar ist. Unser Plan B ist ein Kompromiss-Vorschlag mit dem Ziel den Englischen Garten für alle Zeiten zu retten: Ein Tunnel. Ein Tunnel für die Tram unter dem Englischen Garten würde ohne große Probleme und auch ohne große Mehrkosten machbar sein. Vorsichtig kalkuliert würden vielleicht 15 Mio EUR zusätzliche Kosten (insgesamt ca. 45 Mio. EUR) entstehen.”

Man könne aber darüber hinaus zweistellige Millionenbeträge einsparen, rechnen Petra Lejeune und Hermann Grub vor, da bei der Tunnellösung weder die Neuanschaffung von Akku-Trambahnen, noch eine Akku-Nachrüstung bei vorhandenen Trambahnzügen notwendig würde. Am Ende könne die Tunnellösung sogar preiswerter sein als eine oberirdische Akku-Trambahn, meint Hermann Grub.

Neu ist die Idee der Tunnel-Tram übrigens nicht, darauf weist Petra Lejeune hin: “es wurde im Rahmen der Diskussionen immer mal wieder vorgeschlagen, man könne das doch unterirdisch machen. Aber dies wurde nie ernsthaft geprüft. Gründe dafür konnten wir nicht feststellen, an den Kosten hat es aber sicher nicht gelegen.”

Und tatsächlich – in der “Bayerischen Umschau” heißt es bereits 1926: “… wenn es also wirklich unumgänglich notwendig ist, (…) dann darf nur das Projekt verwirklicht werden, das schon vor etwa 20 Jahren einmal empfohlen worden ist: die Bahn muss als Unter-Straßenbahn, d.h. in einem (…) Tunnel durch den Park geleitet werden.”

Nach den Vorstellungen der Stiftung Ein Englischer Garten wird bei einer Untertunnelung aber die Haltestelle am Chinesischen Turm entfallen: “Dann muss man von der Thieme- oder Tivolistraße aus die kurze Strecke halt zu Fuß gehen. Das ist eh’ gesünder”, meint Petra Lejeune.

Quell: Autor Michael Lucan

Foto: Michael Lucan
Petra Lejeune und Hermann Grub während ihrer Präsentation

 

Tunnel für die Tram im Englischen Garten
Bild: Hermann Grub
Weil die Tram immer Vorrang hat, müssen zur Sicherheit der Fußgänger an den Übergängen
Umlaufsperren oder Ampeln installiert werden.

Tunnel-Rampe Tivolistraße

Tunnel für die Tram im Englischen Garten
Bild: Architekturbüro Grub-Lejeune

Tunnel-Rampe Thiemestraße

Tunnel für die Tram im Englischen Garten
Bild: Architekturbüro Grub-Lejeune