Leben mit einer Behinderung in Bayern

Behinderung in Bayern
Foto: Hans Schultheiß

Leben mit einer Behinderung in Bayern

 

Zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Handicap in Deutschland gibt es im Freistaat noch jede Menge offener Baustellen. Das Ziel der Inklusion ist längst noch nicht erreicht. Schüler und Schülerinnen mit einer Behinderung können immer noch keine vollständige inklusive Schullaufbahn an Regelschulen durchlaufen. Es fehlt an Geld und Personal, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Bildungspolitikerin Margit Wild, die sich intensiv mit der Inklusion an Schulen beschäftigt hat.

 

 

Die Sprecherin für Menschen mit Behinderung, Ruth Waldmann, kämpft unter anderem für den barrierefreien Zugang von öffentlichen Gebäuden. Hier fehlen zum Beispiel mindestens in zwei Drittel aller Arztpraxen barrierefreie Zugänge. Auch der Besuch einer Toilette kann für Rollstuhlfahrer immer noch ein sehr großes Problem sein. Eine Auflistung barrierefreier Toiletten gibt es der Staatsregierung zufolge nicht. Weiter muss laut Bauordnung ein bestimmter Anteil von Wohnungen barrierefrei gebaut werden. Verstöße gegen diese Vorschrift werden aber nicht geahndet. Das will die SPD-Landtagsfraktion ändern.

 

 

 

10 Jahre UN Behindertenrechtskonvention – eine ernüchternde Bilanz für das bayerische Schulsystem

Am 26.3. 2009 trat die UN Behindertenrechtskonvention für Deutschland in Kraft. Mit der Unterzeichnung verpflichtete sich Deutschland, und in der Folge auch die Länder und Kommunen der Bundesrepublik, für ein inklusives Schulsystem zu sorgen, in dem Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen können.

Video; Hans Schultheiß

In Bayern wurde 2011 das Erziehungs- und Unterrichtsgesetz mit Zustimmung aller Fraktionen des Landtags geändert. Es legt fest, dass

1. Inklusion Aufgabe aller Schulen ist.
2. Der Wille der Eltern maßgeblich für die Wahl der Schule ist.
3. Schulen, die sich besonders um die Inklusion bemühen wollten, sich um das Profil Inklusion bewerben können.

Soweit das Gesetz.
Wie sieht die Wirklichkeit aus?

Zu 1.) Weiterhin werden in Bayern zwei Drittel aller Schüler und Schülerinnen mit einer Behinderung an sonderpädagogischen Einrichtungen unterrichtet. Von den 1,77 Millionen Schülerinnen und Schülern hatten im letzten Jahr 76786 sonder- pädagogischen Förderbedarf. Davon wurden 52.012 an Förderzentren unterrichtet (67,7%) und 24.774 (323%) an Regelschulen. Wurden an den Grundschulen noch 16. 679 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, waren es an Gymnasien (424) und Realschulen (481). (Bayerns Schulen in Zahlen 2017/2018, S. 23) Das bedeutet: Inklusion findet hauptsächlich in den Grundschulen statt.

Zu 2.) Für eine echte Wahlfreiheit der Eltern wäre es nötig, dass eine inklusive Schullauf- bahn vor Ort an allen Regelschulen möglich wäre. Das ist mitnichten so. Die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler (8100) aus den Grundschulen (16.579) verfügt nicht über ein inklusives Angebot an den weiterführenden Schulen, sondern muss nach der Grundschule an eine Förderschule gehen. (Bayerns Schulen in Zahlen 2017/2018, S. 23)

Zu 3.) Von den 5500 Schulen in Bayern haben 356 Schulen das Schulprofil Inklusion, das sind 6,6% der Schulen in Bayern. Ein ernstzunehmender Aufwuchs sieht anders aus. Lediglich 665

Quelle: BayernSPD Landtagsfraktion