Aicher Ambulanz Union zieht erste Bilanz

Aicher Ambulanz Union
Foto: Elisabeth Schultheiß

Der erste Wiesentag, die Aicher Ambulanz Union zieht erste Bilanz

Was bei der Aicher Ambulanz Union ruhig begann, steigerte sich bis in die Abendstunden hinein rapide: Bis zum Ende des ersten Wiesn-Tages (9:00 Uhr, 22.9., bis 1:00 Uhr, 23.9.) versorgten unsere Ärzte und Sanitäter insgesamt 469 Patienten.

  • 241 Patienten versorgten unsere behandelnden Ärzte und Sanitäter in der Aicher-Wiesn-Wache.
    183 Patienten verließen nach ihrer Versorgung die Aicher-Wiesn-Wache selbstständig.
    148 x rückten unsere Tragenstaffeln auf dem Festgelände zu Erstversorgungen aus.
    113 fußläufige Patienten versogten unsere Kollegen am Infopoint mit Blasenpflastern und weiteren Hygieneartikeln.
    84 Jahre alt war unser ältester Patient mit Herz-Kreislauf-Beschwerden.
    48 Patienten wurden durch Krankentransportfahrzeuge in Münchner Kliniken verlegt.
    22 Patienten wurden durch Rettungswagen zur Weiterbehandlung abtransportiert, hierbei war bei 2 Patienten ein begleitender Notarzt notwendig.
    10 x behandelten unsere Einsatzkräfte Patienten mit lebensgefährlichen Zuständen (Bewusstseinstrübungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Atembeschwerden).
    Unser jüngster Patient war 4 Jahre alt, er hatte eine kleine Schnittwunde am Kopf.

Vor allem Schnittwunden an den Händen und Füßen traten besonders häufig auf. Insgesamt versorgten unsere Ärzte 53 Schnittwunden mit chirurgischen Wundnähten. Erstaunlich ist der Anstieg an Frauen mit Handverletzungen. Über die Ursache können wir aktuell nur spekulieren. Die meisten Schnittwunden verliefen glimpflich, jedoch eine junge Frau Ende 20 traf es wesentlich härter: Sie hatte sich an einem beschädigten Maßkrug den kleinen Finger teilweise amputiert. Durch eine Wundversorgung der anwesenden Chirurgen wurde der abgetrennte Teil des Fingers vorerst wie angenäht. Zur Weiterbehandlung war eine Verlegung in eine Münchner Klinik jedoch unumgänglich.

Obwohl insgesamt eine harmonische Stimmung in der Aicher-Wiesn-Wache herrschte, stieg das Aggressionslevel im Laufe des Abends zunehmend. Dies bekam vor allem Natalie, 34 Jahre, zu spüren, die am Infopoint unsere fußläufigen Patienten in Empfang nimmt. “Plötzlich ging ein junger Mann auf mich los. Er packte mich am Arm und versuchte, mir eine runterzuhauen.”, sagt Natalie. Kurz vor der Wiesn hatte sie einen unserer Deeskalations- und Selbstverteidigungskurse besucht – das Wissen war in diesem Moment Gold wert. So gelang es ihr, sich aus dem Griff zu befreien und den Schlag gekonnt abzuwehren. Der herannahende Kollege der Security war nicht mehr notwendig, jedoch sofort zur Stelle.

Eine unserer Tragenstaffeln rückte am späteren Samstagnachmittag zu einem Notfalleinsatz mit dem Meldebild “Krampfanfall” aus. Unser Team fand eine sehr aufgelöste Frau Mitte 30 vor, die inzwischen zwar wieder bewusstseinsklar war, jedoch aufgrund ihrer Notsituation mit einer Panikattacke reagierte. Unseren Sanitäterinnen gelang es, sie mit beruhingenden Worten psychisch soweit zu beruhigen, dass eine Weiterbehandlung in ihrem Sinne möglich wurde.

Bei unserem ersten stark alkoholisierten Patienten handelte es sich – wie bereits in einer Schnellmeldung berichtet – um einen vermeintlichen Mönch. Bei genauerem Hinhören stellte sich jedoch schnell heraus, dass dieser keinerlei Kenntnisse des Ordenslebens aufwies. “Vor allem seine fehlenden Lateinkenntnisse schienen mir zweifelhaft”, so ein anwesender Theologe. Bei genauerem Nachfragen und genauem Zuhören des Gesagtem unseres Patienten konnte die vermeintliche Tarnung des circa 50 jährigen Mannes jedoch aufgedeckt werden.

Auf ihrem Weg über die Wiesn fanden am späteren Abend eine Gruppe junger Münchner einen am Boden liegenden, scheinbar bewusstlosen jungen Engländer auf. Da die Münchner nicht wegsehen konnten, nahmen sie sich dem jungen Mann an und versuchten ihn, aufzuwecken. Als ihnen das gelang, brachten sie ihren Patienten selbst zu Fuß zum Infopoint. Zu so großem sozialen Engagement sagen wir nur: HUT AB, DANKE!

Besonders tapfer zeigte sich einer unserer jüngsten Patienten. Der sechsjährige Junge war bei einem Ausfllug auf die Wiesn unglücklich mit dem Gesicht auf die Kante einer Treppenstufe gestürzt. Er zog sich hierbei eine tiefere Platzwunde auf dem Übergang von Nasenrücken zur Stirn zu. Unsere Ärzte versorgten die Platzwunde mit einer chirugischen Wundnaht in unserem eigens eingerichteten Kindernotfall-Raum mit drei Stichen. Der Junge zeigte sich sehr tapfer – die gestaltete Wand tat ihr übriges. “Während der gesamten Behandlung erzählte unser kleiner Patient von seinem letzten Badeurlaub und welche Fische er beim Schnorcheln gesehen hat. Scheinbar haben ihn die bunten Fische sehr gut abgelenkt”, so die behandelnde Ärztin. Der Junge konnte anschließend gemeinsam mit seinen Eltern den Wiesn-Besuch fortsetzen.

Mit vereinten Kräften, Ausdauer und Geduld stemmten wir gemeinsam den ersten Wiesn-Tag, der laut Vorgabe ab Dienstbeginn um 9:00 Uhr bis Dienstende um 1:30 Uhr der Phase “rot” entspricht. Dies bedeutet die maximale Einsatzstärke an Sanitätern und Ärzten aufgrund des zu erwarteten hohen Einsatzaufkommens.
“Ich bin wahnsinnig stolz auf meine gesamte Mannschaft. So viel Elan und Engagement wie hier, habe ich selten auf einem derart anstrengenden Sanitätsdienst erlebt”, so Peter Aicher, Geschäftsführer der AICHER GROUP.

Quelle:  Aicher Ambulanz Union